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Vom Göttergold zum Menschengold.
Ein Bericht vom Seminar "Aufstellung
der Geldglaubensätzen" auf Insel Aegina.
Bei
der 3. Tschechischen Konferenz der systemischen Aufstellungen,
die ich mitorganisiert habe, zeigte Dimitris Stavropoulos (Athen)
in einer bewegenden Gruppenaufstellung die Zusammenhänge in der
griechischen Mythologie zwischen dem "blinden" Gott
des Reichtums Pluto und dem Gott der Unterwelt Hades (Plutos).
Auf eine Einladung von Dimitris kam ich nun nach Griechenland,
um in den Aufstellungen der Geldglaubensätze wiederum meine Arbeit
vorzustellen.
Die
Umgebung konnte nicht schöner und passender gewählt werden. Wir
waren in einem luxuriösen und doch "menschlich gebliebenen"
Hotel auf der weniger besiedelten Seite der Insel Ägina untergebracht
(siehe Foto) und hatten recht viel Zeit, um zu baden, essen, Wein
trinken, zusammen (griechisch) zu tanzen... Einfach und mit einem
Ausdruck zu sagen, es war "bloody luxury". Was für Leben...
Durch
die konsekutive Übersetzung geht doch recht viel Zeit verloren
- so habe ich mich zuerst auf das Wichtigste in meiner "Geld-Arbeit"
konzentriert: Auf das Begreifen der Zusammenhänge und das Aufdecken
unserer unterbewussten Überzeugungen. Dies geschah teils in einer
Art Vortrag, Demonstration und Fragestunde in einem, teils in
kleinen, auf das jeweilige Glaubens- oder Handlungsmuster des
Klienten präzise zielenden Interventionen.
Wie
erfolgreich ich war, das müssen natürlich die anderen beurteilen.
Das Seminar hatte zumindest dem Anschein nach einen großen Erfolg
- die "Be-Geisterung" durch die Ahnen, durch die rituelle
Arbeit war in vielen Augenblicken spürbar. Doch für mich war es
eine fantastische Erfahrung - während des Sonnenaufgangs im azurnerem
Meer zu baden, danach drei Stunden arbeiten, dann in der 35° Hitze
die Siesta halten, am Abend wieder Aufstellungen und dann bis
in die tiefe Nacht eine Art von "My Big Fat Greek Wedding"
zu zelebrieren. Sirtaki (oder war es eher Kalamatinos???) und
Rezina sozusagen. Herrlich.
Sonntag
am Nachmittag gab es dann unter der Führung von Dimitris eine
Fortsetzung der Gruppen-Mythos-Aufstellung von Prag. Doch diesmal
wurde die Komödie von Aristophanes aufgestellt. ("Der Reichtum",
siehe z.B. die Wikipedia.)
Dabei stand ich in der Rolle des Zeus und - es wurde für mich
zu einem stärksten spirituell-erhellenden Erlebnis letzter Jahre.
Ich
möchte hier nicht die ganze Aufstellung schildern, schon deshalb
nicht, weil die Form der Aufstellung, die Dimitris sowohl in Prag,
als auch auf Ägina gewählt hatte, eine Reihe von sehr subjektiven
Erlebnissen zur Folge hat. Deshalb werde mich auf meine Beobachtungen
und Folgerungen beschränken.
Zuerst
fühlte ich mich in der Rolle von Zeus im wahrsten Sinne des Wortes
prächtig. Ich suchte mir gleich am Anfang einen Stuhl auf, in
den ich mich majestätisch niederließ, das Geschehen quasi von
oben herab schauend, und ich fand ein großes Gefallen an einer
Manipulation der anderen Auftretenden und... an anwesenden Frauen,
vor allem an den schöneren und jüngeren. Ich war so etwas wie
ein lüsterner Patriarch. Doch dann kam ein Gelächter auf. Ein
zuerst harmlos erscheinendes, dann immer stärker werdendes, spöttisches,
ja ironisches, satirisches Gelächter. Den anderen (den Menschen)
wurde nichts mehr heilig. Auch die Götter wurden nicht mehr geehrt.
Es war eine Anmaßung.
Ich
hatte inmitten des Geschehens plötzlich keinen Platz mehr. Ich
konnte nicht bleiben. Ich stand auf (niemand beobachtete es, niemand
kümmerte sich) und ging zum Ausgang des Aufstellungsraumes hin.
Unterwegs habe ich mein (weißes) Hemd ausgezogen und ließ es fallen.
Unterwegs wurde ich vom Zeus zum Jesus, ich transmutierte in den
christlichen Gott. Ich erreichte die Tür, machte sie auf und stieg
langsam die marmorne Treppe hinter der Tür hinauf, in die heiße
Mittagsluft, hinauf in den Himmel. Mir flossen die Tränen und
ich war unendlich traurig, verlassen und leidend. Hinter mir wurde
es still und ernst - "sie" haben ihr Fehler erkannt,
vielleicht... Zu spät.
Auf
der obersten Stufe gelangend, drehte ich mich um. Hinter mir,
in der Tür, standen drei Frauen. Maria, Anna und Marie Magdalena.
Sie ließen niemanden zu mir, sie bewachten die Tür, blockierten
die Pforte zu mir, sie waren die Frauen, die auf Erde blieben
und ich war der Mann, der in den Himmel aufstieg. Und hier war
ich einsam.
Und
meine Folgerung daraus? In einer archaischen Gesellschaft sind
Götter unter uns. Sie sind es, weil wir Menschen das Göttliche
in uns (und um uns herum) spüren und fürchten. Sie sind das, was
größer ist als wir, was uns überragt. Es gibt Tabus, die nicht
übertretbar sind, nicht weil es etwa verboten wäre, sondern weil
das Göttliche in uns uns sofort vernichten würde, wenn wir es
täten. Es gibt Grenzen aus dem Innen heraus. Hier sind die Götter
noch nicht von Menschen zu unterscheiden, nur manchmal geben sie
sich zu erkennen, strafend oder milde. Es gibt ein König, oder
ein Tyrann, dessen Amt vom Gott oder von der Göttin stammt, und
deshalb außerhalb der Zweifel steht.
In
einer demokratischen Gesellschaft herrscht das Volk. Nichts ist
so heilig, dass darüber nicht diskutiert, gelacht, gewitzelt werden
könnte. Die Tyrannei ist abgeschafft, es lebe die Freiheit. Doch
die Freiheit ist unvereinbar mit dem Göttlichen. Das Göttliche,
wenn wir es als etwas postulieren, das größer sei als wir, auferlegt
der Freiheit ein Limit, es verweist sie in Grenzen. Bis hier und
weiter nicht. Das hassen die Rebellen, die Freidenker, die modernen
Menschen, die Wissenschaftler, die Marxisten wie die Kapitalisten.
Und Recht mögen sie haben. Doch in einer Demokratie weilen die
Götter nicht mehr auf Erden, unter uns. Sie sind nicht trunken,
sie verführen nicht die Schönen der Erdensöhnen und -töchter,
sie baden nicht im Schaum der Meere. Hier braucht man die Kirche
als die Pforte zum Gott. Und der Gott ist ein leidender, ein trauriger,
ein einsamer Gott-Mann, mit welchem nur der Mönch im schwarzen
Habit spricht, oder vielleicht nur ein Gespräch phantasiert, weil
Ihn es nicht mehr gibt. Wer weiß...
Danke,
Dimitris!
Jan Bily,
15. 9. 2008
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