• Die drei Übergänge im Leben eines Mannes
Text © Jan Bily

Seit etwa acht Jahren veranstalte ich zweimal jährlich ein Männer-Seminar - systemische Aufstellungen und Übergangsrituale nur für Männer. Innerhalb von drei vollen Tagen gehen wir gemeinsam durch die drei bedeutungsvollen und auch zeitlich anschließenden Übergänge im Leben eines jeden Mannes. Ich will hier diese wichtigen Etappen kurz schildern.

Sowohl wir Männer, als auch Frauen werden "aus einer Frau" geboren - am Anfang unseres physischen Lebens steht immer unsere Mutter. Als Babys sind wir körperlich auf sie angewiesen; wir nehmen sie als unseren Zufluchtsort wahr. Die Orientierung des Kleinkindes ist auch dann auf sie gerichtet, wenn sie nicht da, oder - wie in den meisten Fällen - nicht die "ideale Mutter" ist. Als Babys und Kleinkinder gehen wir auf die Erkundung der Umgebung - dabei können die meisten von uns auch den Vater entdecken - doch wir können zur Mutter wie in einen sicheren Hafen zurückkehren.

Im Alter von ungefähr fünf bis acht Jahren passiert es aber, dass wir, die zukünftigen Männer, die Seite wechseln müssen. Wir gehören zu den Männern, ob es uns gefällt oder nicht. Etwas Mächtiges zieht uns hin, etwas, das stärker ist, als unsere Angst vor dem Unbekannten. Das ist der erste Übergang - vom Kind zum Jungen. Wer diesen Übergang nicht vollzieht (oder vollendet), bleibt, wie viele Männer der heutigen Zeit, bei den Frauen gebunden. In ihnen sucht er dann die Ersatz-Mutter, ohne sich der Vater-Seite, sei es aus Misstrauen oder aus Furcht, sei es mangels Gelegenheit, angeschlossen zu haben.

Der zweite Übergang findet zwischen dem zwölften und etwa dem achtzehnten Lebensjahr statt. Es ist der vom Jungen zum Krieger. Der Sinn dieses Wechsels ist recht spirituell - es ist die Mannswerdung durch das Erlangen einer Vision, das Finden eines Lebenssinnes. David Deida nennt es die Suche nach dem "Deepest Purpose" im Leben des Mannes. (David Deida: amerikanischer Buchautor und spiritueller Lehrer, seine Bücher sind für Männer sehr empfehlenswert). Dieser Prozess gelingt am besten, wenn der werdende Mann mit dem Tod konfrontiert wird. Der Tod - die weltliche Beschränkung - ermöglicht es dem Mann, sein Leben in den Dienst von etwas Größerem zu stellen, eine unabdingbare Voraussetzung für ein sinnerfülltes Männer-Leben. Der Tod macht uns Männer "kleiner" und dadurch (und nur dadurch) öffnet er uns dem, was "größer" ist.

In den naturverbundenen Kulturen werden in diesem Alter die Initiationsrituale abgehalten, die Vision-Quest durchgeführt, oder die (zukünftigen) Krieger werden mit dem Krieg konfrontiert. In unseren "gemäßigten" Zonen bleibt den Jungen lediglich die Rebellion (Krieg) gegen die herrschende Ordnung, die Extrem-Sportarten, oder der Überlebenskampf in unseren Schulen und Betrieben. Doch der Krieger strebt immer etwas an, er will etwas, manchmal auch alles, "kriegen". Dadurch befindet er sich in permanenter Anspannung. Er lebt sein Leben auf Leistung ausgerichtet (wie die meisten von uns) und leidet unter dem daraus resultierenden Stress. Im Übrigen ist die heutige Wirtschaftskrise die Folge von zuviel "Krieger-Energie".

Der dritte Übergang beschäftigt sich deshalb mit dem Weg vom Krieger zum König. Der König bewegt sich nicht auf ein Ziel hin - er ist das Ziel. Sein Dasein ist ein Ausgewogenes; so sieht man zum Beispiel den Tarot-König, zumindest auf den alten Karten, mit dem Zepter in der einen und dem Reichsapfel in der anderen Hand auf dem Thron. Seine Beine bilden dabei einen T-Kreuz - das Waagrechte und das Senkrechte sind in ihm vereint. Beides bedeutet, dass der König in sich sowohl das männliche als auch das weibliche Prinzip entdeckt hat und daß er beide frei und kreativ nutzt. Das deutet auch den Ausgang aus unserer heutigen Krise an, die, wie wir immer schärfer beobachten können, die Krise des männlichen Prinzips ist.

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